MieterMagazin
März 2002 - aktuell

http://www.berliner-mieterverein.de/magazin/online/mm0302/s16.htm
Berliner Mieterverein e.V., Wilhelmstraße 74, 10117 Berlin


Foto: Rolf Schulten

Schimmel an den Wänden

Alles schwarz unter der Tapete
Seit zwölf Jahren schlägt sich Familie Tiedke aus Tiergarten mit einem leidigen Problem herum, das viele Mieter kennen: Schimmel in der Wohnung. Wie schon fast üblich in solchen Fällen ziehen Vermieter und Bauaufsicht an einem Strang und meinen, die Mieter müssten nur besser lüften und heizen.

Der Schimmelbefall trat in der Döberitzer Straße 1 erstmals auf, als 1989 von Ofen- auf Zentralheizung umgestellt wurde. Betroffen waren fast alle Wohnungen, die an der Außenwand lagen. Die einzige Reaktion der Hausverwaltung war das Bekleben der Wände mit einer Isoliertapete aus Styropor. Das half aber nur wenig - an verschiedenen Stellen tauchten trotzdem Feuchtigkeit und schwarze Flecken auf. Die von den Mietern eingeschaltete Bauaufsicht befand, dass die Isoliertapete runter muss. Styropor ist in Wohnräumen wegen der Brandgefahr nämlich verboten. "Darunter war alles schwarz, der ganze Schimmel hatte sich dahinter gesammelt", berichtet Monika Tiedke. Die Hausverwaltung ließ lediglich den Schimmel entfernen und die Stellen mit einem pilzhemmenden Mittel bestreichen. "Die eigentliche Ursache, nämlich die mangelhafte Wärmeisolierung der Außenwand, wurde nicht beseitigt", empört sich Thomas Tiedke. Die Mieter sind sich sicher, dass Feuchtigkeit und Schimmel auf die nur 28 Zentimeter dünne Außenwand zurückzuführen sind, die zudem erhebliche Putzschäden aufweist.

Über den Tipp eines Mitarbeiters der Hausverwaltung, der den Mangel begutachtete, können die Mieter nur lachen: "Wir sollen mehr lüften und keine Möbel an die Wand stellen - beides tun wir schon seit Jahren", sagen sie.

Da sie die Räume nicht mehr richtig nutzen können, haben die Bewohner die Miete um 10 Prozent gemindert. "Wir haben große Angst um unsere Gesundheit, zumal auch das Kinderzimmer unserer 10-jährigen Tochter betroffen ist", so das Ehepaar. Die Familie über ihnen sei bereits ausgezogen, unter anderem auch wegen des Schimmelbefalls, berichten sie.

Die Hausverwaltung hält es dagegen nicht für erwiesen, dass der Schimmel auf bauliche Mängel zurückzuführen sei. Man ziehe jetzt aber in Erwägung, ein entsprechendes Gutachten in Auftrag zu geben. "Sollte sich dabei herausstellen, dass es nicht am Nutzerverhalten, sondern an baulichen Gegebenheiten liegt, werden wir die notwendigen Maßnahmen durchführen lassen", verspricht Carsten Petrowitz von der Eisenbahn-Siedlungs-Gesellschaft. Das sei aber eine Kostenfrage, zumal das Haus mittelfristig veräußert werden solle. Und mit einer - umlagefähigen - Wärmedämmung der Fassade seien vor einigen Jahren nicht alle Mieter einverstanden gewesen, so Petrowitz.

"Die Mieter haben selbstverständlich einen Anspruch auf eine mängelfreie Wohnung", sagt Dr. Jutta Reismann vom Berliner Mieterverein (BMV). Der Vermieter könne auch nicht einfach argumentieren, dass die Sanierung der Außenfassade zu teuer sei. "Zwar sagt die Rechtsprechung, dass die Kosten nicht unzumutbar sein dürfen, aber die Grenzen sind da sehr hoch", erläutert Dr. Reismann.

Betroffenen Mietern ist auf jeden Fall zu empfehlen, ein unabhängiges Gutachten einzuholen. Frank Leupold, der als Sachverständiger im Auftrag des BMV solche Gutachten erstellt, weiß: "Eine genaue Ursachenbestimmung ist komplizierter, als sich das der Laie vorstellen kann." Oft kommen mehrere Faktoren zusammen. "In vielen Fällen spekulieren Mieter und Vermieter jahrelang, woran es liegen könnte, statt eine eingehende Untersuchung von Raumklima und Bausubstanz vornehmen zu lassen", erklärt Leupold. Außerdem sei es sinnvoll, bestimmen zu lassen, um welche Schimmelspezies es sich handelt. Wenn eine Gesundheitsgefährdung festgestellt wird, muss der Vermieter zur Gefahrenabwehr umgehend handeln.

Ein solches Gutachten ist zwar nicht billig und muss vom Mieter selber bezahlt werden. Dennoch lohnt es sich, weil es im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung anerkannt wird. "Stellt sich zudem heraus, dass die Ursachen für den Schimmel tatsächlich bauliche Mängel sind, kann der Mieter die Kosten für das Gutachten vom Vermieter zurückverlangen - vorausgesetzt, er hat den Mangel schriftlich angezeigt und angekündigt, einen Sachverständigen zu beauftragen", sagt Dr. Reismann vom BMV.

Birgit Leiß

Telefonnummern von Gutachtern zu Feuchtigkeit und Schimmelpilzen siehe unter "Service",
Mitglieder des Berliner Mieterverein erhalten Ermäßigungen
www.berliner-mieterverein.de